„Ich habe mich sehr danach gesehnt“ – das Abendmahl

Um die Situation des letzten Abendmahl Jesu besser zu verstehen, schauen wir in die biblische Vergangenheit
(Bibeltexte aus der Einheitsübersetzung  © 1980 Katholische Bibelanstalt, Stuttgart, mit freundlicher Genehmigung):

Die Israeliten waren auf der entbehrungsreichen Flucht vor den Ägyptern. Sie hatten es eilig, zu entkommen. Es blieb keine Zeit, sich lange mit dem Brotbacken aufzuhalten. So wurde das Mehl schnell mit Wasser vermengt und der Teig sofort gebacken. Der Gärprozess konnte deshalb noch nicht einsetzen.

„Und sie backten aus dem rohen Teig, den sie aus Ägypten mitbrachten, ungesäuerte Brote; denn er war nicht gesäuert, weil sie aus Ägypten weggetrieben wurden und sich nicht länger aufhalten konnten und keine Wegzehrung zubereitet hatten.“ (2. Mose 12, 39)

Seit der Befreiung und Flucht aus Ägypten gedenkt das Volk Israel dieser Zeit. Derr Herr Israels hatte dazu aufgetragen:

„Sieben Tage sollt ihr ungesäuertes Brot essen. Schon am ersten Tag sollt ihr den Sauerteig aus euren Häusern tun.“ (2. Mose 12, 15a) und

„Keinerlei gesäuertes Brot sollt ihr essen, sondern nur ungesäuertes Brot, wo immer ihr wohnt.“ (2. Mose 22, 20)

Diese Zeit des Gedenkens war nun wiedergekommen, als Jesus zum letzten Mal nach Jerusalem zurückkehrte.

„Es war aber nahe das Fest der Ungesäuerten Brote, das Passah heißt.“ (Lukas 22, 1)

Jesus und seine Jünger hatten in dieser Nacht nichts anderes als das ungesäuerte Brot.

Dieses zentrale Zeichen der feierlichen Erinnerung, das ungesäuerte Brot, ist auch in der heutigen Feier des Abendmahls der Kirche immer noch präsent.

In unserer Gemeinde wird nicht nur im Gottesdienst, sondern auch in den Häusern das Abendmahl in der Gemeinschaft gefeiert. Einer unserer Hauskreise, der nur aus Männern besteht, berichtet an dieser Stelle von der Brotherstellung für das Abendmahl.

Das Brot für uns

Wir haben unsere ganz persönliche Form gefunden, das Abendmahl einmal im Monat gemeinsam zu feiern. Es folgt unserer eigenen, gewachsenen Liturgie  und ist relativ locker eingebunden in unser Treffen.
Dazu gehört auch, dass wir unser Brot selbst backen, dicht am ursprünglichen, biblischen Gedanken. Wir haben einige Rezepte ausprobiert. Mit dem jetzigen Ergebnis sind wir sehr zufrieden.

Wir möchten die Herstellung unseres Abendmahlbrotes gerne vorstellen. Wir ermutigen zur Nachahmung.

Die Teigherstellung

Um zu vermeiden, dass der Brotteig säuert, ist er einem schnellen Herstellungsprozess unterworfen, der die Gärung verhindert. Die Brotherstellung darf nicht mehr als etwa 18 Minuten dauern. Das Volk Israel wusste damals schon genau, dass der Gärprozess schnell beginnt, wenn das Mehl mit dem Wasser in Kontakt gekommen war. Deshalb: lieber kleine Mengen Teig produzieren, viel braucht es sowieso nicht für eine kleine Gruppe.

Der Teig besteht eigentlich nur aus Mehl und Wasser. Wir fügen allerdings noch etwas Salz und Olivenöl hinzu. Das Brot darf ruhig Geschmack haben.
(Tochter war nicht böse, dass ihr Trinkbecher als Maßeinheit herhalten musste). Wir haben zwei Teile Mehl verwendet, es hätte aber auch eins völlig ausgereicht, da die Brote ja sehr dünne Fladen werden sollen. Damit ist eins eigentlich genug. Allerdings: das Brot schmeckt auch hinterher noch gut, das Mahl geht bei uns weiter. Deshalb darf es ruhig etwas mehr sein. Auf jeden Fall mehr lecker als Kartoffelchips!
Also: Mehl, etwas Salz, etwas Olivenöl (damit darf man experimentieren) und dann noch einem kleinen Teil Wasser in eine Schüssel geben.
Mit der Hand wird nun sorgfältig, aber zügig geknetet (Zeit!) und immer wieder etwas Wasser dazu gegeben.
Zum Schluss darf der Teig nicht in der Hand kleben. Wenn er weich und geschmeidig ist und sich leicht formen lässt, ist er fertig zum Ausrollen.
Das Ausrollen auf einer leicht bemehlten Fläche (am besten auch die Rolle bemehlen) ist sehr einfach, wenn der Teig die richtige Konsistenz hat. Und er sollte wirklich hauchdünn sein, am besten unter 2 mm. Er wird vorsichtig abgezogen, damit er nicht reißt.
So, und nun wird es doch etwas speziell bei uns: der Fladen wird in der Pfanne mit ganz wenig Fett (wirklich ganz wenig Olivenöl) angeröstet. Nimmt man zu viel, saugt sich der Teig mit Öl voll und das soll nicht sein. Nach kurzem Wenden ist der Brotfladen schon etwas fester geworden und er wird wieder aus der Pfanne heraus genommen. Wir sehen auch: es kommt gar nicht darauf an, dass eine gleichmäßige Form entsteht. es muss ja immer noch schnell gehen.
Jetzt legen wir ein Ofengitter über die heiße Herdplatte (locker bleiben, der Abstand ist o.k.) und nun wird der Brotfladen direkt über die Herdplatte gelegt. Erstaunliches passiert: der Teig bläst sich kurz auf (um das zu vermeiden, kann er auch vorher noch mit einer Gabel gelöchert werden) und dann wird er fein gebräunt. Keine Angst! Der Herd lässt sich hinterher sehr leicht reinigen. Wir haben diese Prozedur jetzt auf zwei verschiedenen Herden ausprobiert und es funktioniert sehr gut.

Wem diese Phase der Brotherstellung dennoch nicht liegt, der kann das Brot auch im Backofen fertig backen, am allerbesten auf einem Backstein, oder aber auf oberster Stufe mit Oberhitze. Es kostet natürlich deutlich mehr Energie, der Ofen muss vorgeheizt werden. Das Wenden nicht vergessen!

Tja, und dann ist es fertig. Wie bereits am Anfang des Artikels gesagt: der ganze Vorgang bis zum letzten gebackenen Fladen muss in unter 20 Minuten abgeschlossen sein. Dann darf gefeiert werden!

Das übrig gebliebene Brot wird von uns im Laufe des weiteren Abends ziemlich schnell weggenascht!